Handschrifterkennung im Inhouse-Versand

Handschrifterkennung im Inhouse-Versand

Juni 15th, 2009  |  Veröffentlicht in der Rubrik Neopost VorOrt, PSR 01/09

Es gibt Unternehmen, die haben eine kleine Poststelle. Andere Unternehmen haben eine größere. Wieder andere, wie die Zentrale der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in Stuttgart, sehen in ihrer Poststelle das Herzstück des Waren- und Postgutmanagements und nennen sie selbstbewusst »Logistik-Center«.

Zu Recht, denn der LBBW ist ein logistisches Meisterstück gelungen: Nach der Restrukturierung der alten Poststelle sind Sortierung und Versand der Poststücke weitestgehend automatisiert und die Räume des Logistik-Centers zu einem beispielhaften Arbeitsplatz geworden: weite Laufwege, freie Arbeitsflächen und helle Tageslicht-Beleuchtung bei fast keimfreier Sauberkeit. Das Ambiente scheint dem Arbeitsklima gutzutun, denn im Erdgeschoss der LBBW-Zentrale herrscht eine angenehm konzentrierte Atmosphäre.
»Das war nicht immer so. Vor der Reorganisation der Postbearbeitung lag ein viel höherer Druck auf jedem Mitarbeiter «,erläutert der Leiter der Gruppe Logistik-Center Stuttgart, Wolfgang Nickel.
Denn mit den Akquisitionen der vergangenen Jahre wuchs das Filialnetz der LBBW, die Zahl der Mitarbeiter und das Postaufkommen. Mit wachsendem Arbeitsaufwand stieg auch die Gefahr der Fehlsortierung wichtiger Dokumente. »Verträge, Urkunden, Anschreiben: Fehler in der Zustellung könnten in einer Landesbank wie der LBBW zu fatalen Folgen führen. Deshalb sind die Ansprüche an unsere Poststellenmitarbeiter sehr hoch«, erklärt Nickel.
Eingebettet in ein Programm zur Kostensenkung, erarbeitete das Team um Nickel eine Strategie zur schrittweisen Umstellung auf automatisierte Arbeitsabläufe. Neben der Optimierung der Portokosten legten die Stuttgarter Wert auf einen hohen Automatisierungsgrad der Inhouse-Postverteilung über Hauspostmappen, ohne die bewährten Arbeitsabläufe der über 12.000 Mitarbeiter ändern zu müssen.

Hauspostmappe forever

Regional Account Manager bei Neopost, Rainer Vogel: »Die Hauspostmappe ist ein Klassiker im hausinternen Versand. Sie ist schnell und einfach zu handhaben und sicher.« Der Nachteil: Herkömmliche Postsortieranlagen können die mit schneller Hand geschriebenen Adressen, Kürzel und Anmerkungen nicht verarbeiten.
Auch der Groß- und Maxibrief-Sortierer Prolistic VSort war mit seinen Strich- und Matrixcode-Lesegeräten ungeeignet. Zunächst. Bis die Steuerungsanlagen-Ingenieure einen Vorschlag machten: Mit geringen Änderungen am Design der Hauspostmappen ließ sich eine digitale Handschriftenerkennung implementieren, die der Aufgabenstellung der LBBW gerecht wurde.
Die neuen Mappen enthalten neben den Standardfeldern wie Adresskürzel und Empfänger einen eindeutigen Barcode. Wozu die VSort den Code benötigt, wird erst deutlich, wenn man den trickreichen Sortiervorgang auf Zeitlupentempo verlangsamt: In Sekundenbruchteilen wird eine Hauspostmappe an einer Highspeed-Kamera vorbeigeführt, fotografiert und das digitale Bild in einem Mustererkennungsprozess in seine Bestandteile zerlegt. Dabei findet der Prozessor nicht nur den aktuellen Adresseintrag auf der Mappe, sondern versucht, das handgeschriebene Kürzel der Zieladresse zu erkennen.
Stimmt das Muster mit einer der über 12.000 LBBW-Adressaten überein, wird die Adresse virtuell mit demBarcode verknüpft und in einer zentralen Datenbank hinterlegt. Ab sofort ist die Hauspostmappe auf ihrem Weg durch die Konzernbüros eindeutig über diesen Barcode identifizierbar.

Der Faktor Mensch bleibt wichtig

Meldet das VSort-Programm Zweifel an der korrekten Adresserkennung, leitet der Prozessor das Foto auf einen Bildschirmarbeitsplatz zur visuellen Kontrolle durch einen Mitarbeiter. »Den Faktor >Zweifel< haben wir bei der VSort auf >kritisch< gestuft, denn die gesicherte Zustellung der Dokumente hat in unserem Haus höchste Priorität«, erläutert der Teamleiter des LBBW-Logistik-Centers, Steffen Sager. Als in der Einführungsphase die Erkennungsrate auf über 85 Prozent gestiegen war, gab Wolfgang Nickel den geplanten Erfolg bekannt: »Statt sechs Mitarbeitern, die hoch konzentriert die manuelle Sortierung der Hauspostmappen erledigten, sind jetzt nur noch maximal drei Mitarbeiter in kürzerer Zeit damit beschäftigt.

Und noch ein Schwabenstreich

Dass sich die schwäbische Mentalität nicht mit eindimensionalen Strategien zufriedengibt, belegt Wolfgang Nickel schmunzelnd mit einem Nachsatz: »Die VSort ist eigentlich viel schneller, als es für die Sortierung der Hauspost notwendig wäre.« Rainer Vogel: »Das war Teil der Strategie: Die VSort unterstützt als Back-up eine weitere Sortieranlage (Omega/Atlas) für die Ausgangspost.«
Große Postausgangsmengen, die früher über externe Dienstleister verarbeitet wurden, sind heute Quell schwäbischer Glückseligkeit: »Allein der von der VSort verarbeitete Überhang spart der LBBW einen zusätzlichen sechsstelligen Betrag an Portokosten im Jahr«, sagt Wolfgang Nickel, »weil wir so den Höchstsatz an Portorabatten bei der Deutschen Post AG erzielen.«

LANDESBANK BADEN-WÜRTTEMBERG

Mit 12.300Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von 443Mrd. Euro zählt die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in Stuttgart zu den fünf größten Banken Deutschlands. Als Zentralbank der Sparkassen in Baden-Württemberg gegründet, spannt sich das Leistungsangebot der LBBW heute von der Bilanz- und Portfolioberatung über die Entwicklung von Finanzmarktprodukten bis hin zu Trading und Sales am internationalen Kapitalmarkt. In direkter Verantwortung betreut die LBBW überregionale und internationale Unternehmenskunden, institutionelle Kunden sowie Einrichtungen der öffentlichen Hand. Der Jahres-Portoumsatz mit der Deutschen Post AG liegt bei 13Mio. Euro.
www.lbbw.de


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